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Alois Weinhandl aus Dirnbach in der Gemeinde Stainz bei Straden verbrachte sein Leben lang in der Weinhandl-Mühle, der einstigen Kornberger Hofmühle. Nur im Zweiten Weltkrieg und bei einigen Arbeits- und Ausbildungsaufenthalten wurde sein Müllerleben in Dirnbach unterbrochen. Vieles hat sich im Müllerleben im Laufe von neun Jahrzehnten geändert. "Die Müller an der Raab waren die Fürsten des Raabtales. Zu denen fuhren auch die großen Bauern der Region zum Vermahlen ihres Getreides. Zu uns kamen die Keuschler" erzählt Weinhandl, der so auf den einstigen Bauernstolz verweist. Gemahlen oder geschrotet wurden Roggen, Weizen, Hafer, Heiden und Mais, während das ehemalige Hauptnahrungsmittel der Bauern, die Hirse auf der Stampfe nur geschält wurde. "In Milch gekocht zählte der Hirsebrei zu den fast alltäglichen bäuerlichen Abendspeisen. Jeder Bauer brachte zum Mahlen seines Getreides auch einen Sack Hirse mit" erinnert sich Weinhandl an die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Bauern fuhren mit ihren Fuhrwägen, auf denen sie in Säcken das Getreide mitführten, zur Mühle. Auf vielen der Säcke waren die Namen der Bauern, oftmals nur die Vulgonamen und auch die Jahreszahl aufgedruckt. Unter den Nationalsozialisten wurde das Hakenkreuz auf die Säcke aufgedruckt. Säcke die gut und selbständig stehen konnten, wurden am Sackgrund in Dreiecksform vernäht und als "drezipfige Säcke" bezeichnet. Die Weinhandl-Mühle, die 1848 in den Besitz der Familie Weinhandl kam, arbeitete als Lohnmühle. Wegen des fehlenden Geldes bezahlte der Bauer für das Mahlen seines Getreides mit Mehl. Dieses Mehl war der Mahllohn, den man "Maut nehmen" nannte. Für das Feststellen der Mehlmenge bestand ein eigener Metzen, ein Mehlschaff, das mit Mehl gefüllt und oben mit der Hand flach abgewischt worden ist. Während das Getreide vermahlen wurde, hielten sich die Mahlbauern in der Mahlstube der Mühle auf, wo sie Karten spielten, ihre Jause einnahmen und sich gut unterhielten. War das Getreide gemahlen, kam es zurück in die gut ausgebeutelten Zwilchsäcke und zwar zuerst wurde das "schöne Mehl" hinein geschüttet, an der Sackaußenseite am oberen Mehlrand mit einer Kreide ein Strich gezogen und darüber das Semmelmehl geschüttet. So konnte der Bauer beim Ausleeren der Säcke feststellen, wann das feine Mehl kommt, um dies in einen anderen Behälter zu schütten. Andere Bauer banden ihre Säcke, bevor das nächste Mehl hineingeschüttet wurde ab. Am oberen Ende wurde der Sackrand kunstvoll gefaltet und dann zusammen gebunden. Die dafür benötigten Schnüre wurden in der Feldbacher Seilerei Kettele gekauft. Unvergesslich für Alois Weinhandl blieb der 1. September 1939, als der Zweite Weltkrieg begann. "Ich arbeitete allein in der Mühle in die zirka 30 junge Bauern mit ihrem Getreide kamen, die Nazis waren. Ich schrie sie an, so weit habt ihr es gebracht, dass jetzt Krieg ist! Mein Vater stellte das Radio an das Fenster, dass alle hören konnten, was Hitler sagte. Bereits am nächsten Tag musste ich einrücken. Ich kam im Laufe der Kriegsjahre bis 50 Kilometer nördlich von Stalingrad, wo ich verwundet wurde. Nach Kriegsende geriet ich in jugoslawischer Partisanengefangenschaft. Ich sah auch Hitler, wie er in Österreich 1938 einmarschierte. Zu dieser Zeit war ich gerade auf der Müllereischule, von wo ich zur Musterung zum Bundesheer nach Steyr einberufen wurde. Ich bin nach Linz gefahren, wo Hitler nahe an mir im offenen Fahrzeug vorbeigefahren ist. Er stand im Wagen mit kaltem, weißen Gesicht und in Pose. Da sagte ich zu meinem Kameraden, Du der spinnt! Zu Kriegsende war ich in Gefangenschaft bei den Partisanen. Da hörten wir im Radio, dass Hitler in der Nacht im Kampfe um Berlin gefallen ist. Einer von uns meinte, um Gottes Willen hat der gekämpft und ein anderer meinte, der hat sich wohl umgebracht. Mein Vater hat zu wenig für das Winterhilfswerk gespendet, worauf er mit einem Plakat am Rücken durch Feldbach getrieben wurde. Als die Engländer nach dem Krieg in Feldbach waren, fanden sie eine Liste, auf der mein Vater und der Herr Roth als zum Tode verurteilt standen. Diese Liste hieß Ausmärzliste" erzählt Alois Weinhandl der 1947 aus der Gefangenschaft nach Dirnbach zurückkehren konnte. In der Nachkriegszeit fehlten den Bauern auch die Transportmittel für ihr Getreide, dass sie zur Mühle bringen wollten. In Neustift bei Kapfenstein organisiert Hermann Jud eine Gruppe Bauern, die ihr Getreide an einen Platz brachten, von wo wir es zur Mühle brachten. Die Bauern kamen mit und vertrieben sich während der Zeit des Mahlens ihre Zeit in der Mahlstube. Es ging dort zu wie bei einer Hochzeit. Die Bauern hatten Essen und Trinken und Mehlspeisen mit. Alois Weinhandl hat die Geschichte des Müllerlebens, von der einfachsten Form des Enthülsens von Getreide mit Stampfen und des Mahlens mit Wasserradantrieb, bis zum Turbineneinbau und allen weiteren technischen Neuerungen, bis zur heutigen, nach modernsten Richtlinien ausgestatteten Weinhandl-Mühle miterlebt. Aufgrund von Wassermangel am vorbei fließenden Bach waren die beiden Oberschlächtigen Wasserräder liegend angebracht. Zwischen 1920 und 1930 wurde für den Antrieb ein Dieselmotor mit 30 PS gekauft. Auch zwei Turbinen, eine für die Säge und eine für die Mühle wurden eingebaut. Jetzt wurde auch eine hydraulische Presse, auf der der Rips gepresst wurde, angeschafft. In der Ölpresse stand eine Holzspindelpresse, wie sie bereits seit Jahrhunderten bekannt war, in Betrieb. Auf dieser Holzspindelpresse wurden in den Wintermonaten Kürbiskerne gepresst. Das Kürbiskernöl war weit seltener, als das Ripsöl, das zu dieser Zeit das wichtigste Öl für den Bauern war. Die gemahlenen Kürbiskerne wurden von Frauen in Holzmultern mit den Händen geknetet. Der Ölschlegl, wie der Ölmüller genannt wurde, röstete die Masse, schlug sie in ein Leinentuch ein und presste sie auf der Holzspindelpresse aus. Die schwere Arbeit des Müllers, das Tragen der bis 80 Kilogramm schweren Mehlsäcke und der Holzbehälter mit unfertig gemahlenen Mehlen zu den einzelnen Stockwerken in der Mühle, wurde durch die technischen Neuerungen beendet.
Nach zahlreichen Umbauten befindet sich die Weinhandl-Mühle auf dem technisch neuesten Stand.
Mit 95 Jahren ist Alois Weinhandl noch täglich in der Mühle anzutreffen.
Das Müllerleben wurde nur in der Kriegszeit unterbrochen.
Auf Ordnung und Reinlichkeit in der Mühle legt Weinhandl größten Wert.
Das 20. Jahrhundert als Müller erlebt Alois Weinhandl, geb. 27.1.1916 Dirnbach