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Die Geschichte der Schneiderei Kurt Schuller, Feldbach
Bereits in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts hat der Feldbacher Schneidermeister Kurt Schuller an der Erforschung seines Handwerkes gearbeitet und in Folge ein Schneiderhandwerksmuseum gegründet. Die ausgestellten Objekte informieren über die Schneiderei von der Vor- und Frühgeschichte bis in die Zeit um 1980. Das wichtigste und vielleicht auch das älteste Handwerksgerät des Schneiders ist die Nadel. Das
Grundprinzip der Nadel blieb über Jahrhunderte dasselbe, was sich veränderte ist das Material, aus dem eine Nadel gefertigt worden ist. Und wie bei der Nadel, so ist es auch beim so genannten Zwirn, der im Laufe der Jahrtausende aus unterschiedlichen Materialien hergestellt worden ist. Genauso wie Nadel und Zwirn hat sich das Material, aus dem Kleidungsstücke angefertigt wurden, immer wieder verändert. Das Handwerksgerät des Schneiders wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Erfindung der maschinellen Nähmaschine wesentlich technisiert. Zu den wichtigsten Nähmaschinen im Museum gehören eine A.B. Wilson des Jahres 1882 aus der USA, die erste Zickzack Nähmaschine, aus dem Jahre 1882,
die Johann Kayser erfand oder die revolutionäre Schiffchennähmaschine von Elias Howe aus dem Jahr 1873. Die Formensprache der Scheren, die für diverse Arbeiten von unterschiedlicher Größe sind, weist nur geringfügige Unterschiede auf. Die ältesten Scheren im Museum sind aus dem 18. Jahrhundert und handgeschmiedet. Interessant ist die Geschichte der Bügeleisen, vor allem, mit welchen Mitteln sie erhitzt wurden. Ein Rauchfangbügeleisen kann mit einem mit Kohlen beheizten Ofen verglichen werden. In das Innere des Bügeleisens werden glühende Kohlen gelegt und der Rauch zieht beim Bügeln durch einen Bügeleisenkamin ab. Bei den Stachelbügeleisen wird der geschmiedete Stachel auf der Herdplatte oder im Herdfeuer erhitzt und mit einem Haken in das Innere des Bügeleisens gesteckt, so dass sich so das Bügeleisen erhitzt. Mit derartigen Bügeleisen wurde bis um 1965 noch gebügelt. Im städtischen Bereich wurden Bügeleisen auch mit Gas erhitzt. Auch mit Spiritus erfolgte die Eisenerwärmung. Bügeleisen gibt es in den unterschiedlichsten, oft kostbar verzierten Formen. Alle diese Bügeleisen wurden vom elektrischen Bügeleisen abgelöst. In die Haushalte zogen diese Elektroeisen nach 1960 ein. Die Wäschemangel war das Bügelgerät für Leintücher.
Kurt Schuller führt durch das Schneiderhandwerksmuseum.
Das Nähmaschinenmodell Wilson, 1882.
Die erste Zickzack-Nähmaschine, 1882.
Stachelbügeleisen.
Ein Kohlebügeleisen mit Rauchfang.
Wäschemangeln in verschiedenen technischen Ausprägungen waren vor allem in Hotelbetrieben, wie im 19. Jahrhundert in Bad Gleichenberg, in Gebrauch. In der Schneiderei werden eine Vielzahl von weiteren Handwerksgeräten, man denkt an das Maßband, den Fingerhut und die Elle verwendet. Die Schneiderlehre wird mit der Gesellenprüfung beendet und für dem Meister sind weitere Prüfungen abzulegen. Bis in die Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es die Störschneider, die von Bauernhaus zu Bauernhaus zogen und dort ganze Kleidungsstücke anfertigten oder reparierten. Die Wanderschneider, über die Kurt Sachuller ein kleines Bücherl geschrieben hat, zogen von Meister zu Meister durch das Land. Die erste Herrenkleidermacherin in der Steiermark war Elisabeth Platzer, verheiratete Kleber, in Unterweißenbach bei Feldbach. Das Museum birgt auch Gesellen- und Meisterbriefe, Wanderbücher, Zeugnisse und Arbeitsbücher. Dazu kommen die Zunfttruhen, in denen wichtige Handwerksdokumente verwahrt wurden. Die Feldbacher Schneider verfügten auch über eine Zunftfahne, die unter anderem den heiligen Homobonus, der in einer Schneiderwerkstätte bei der Arbeit ist zeigt.