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Der Kaffeehausmaler aus Eisenberg Peter Paul Ruhso arbeitet in St. Martin an der Raab
Als Kaffeehausmaler wurde der in Wien aufgewachsene Peter Paul Ruhso (geb.1943) bekannt. Der Wiener hat sich vor 14 Jahren in Eisenberg bei St. Martin an der Raab angesiedelt, wo er auch sein Atelier eingerichtet hat. "Ich war in Wien ein Straßenkind. Bei den englischen Besatzern bin ich auf die Panzer gekraxelt. Das war in der SS-Kaserne, wo heute das ORF-Zentrum steht. Meinen Vater habe ich nie gesehen und meine Großmutter war der Meinung, dass ich zur Polizei muss, da dann eine gute Pension gesichert sei. Als ich einen Beruf erlernen wollte, stellte ich mich an einem Tag bei 17 Lehrstellen vor. Doch dann kam alles anders, als vorgesehen war. Ich erlernte den Beruf des Goldschmiedes." Das Image Kaffeehausmaler erhielt Ruhso erst beim Kunststudium zugesprochen. "Das ist es aber nicht wirklich. Ich war beim Studium viel in Kaffeehäusern, wo ich die Zeit nützte und dort auch zeichnete. Dass damit verbunden zahlreiche Kaffeehauszeichnungen entstanden ergab sich von selbst" sagte Ruhso, der mehr auf seine eigentliche Art der Malerei, der Mensch in Bewegung und Tierstudien, hinführen will. Als gelernter Goldschmied greift er vereinzelt noch heute zu seinem alten Handwerksgerät und fertigt Schmuckstücke an. Dabei bindet er in seine Objekte oft antike und historisch interessante Schmuckelemente ein. Nachdem Ruhso als Schmuckdesigner und Brillantmonteur keine Erfüllung fand, begann er an der Wiener Kunstschule Malerei und Grafik zu studieren. Prägend für seine künstlerische Laufbahn war Prof. Fritz Martins, der bescheiden in einer Wiener Dachwohnung, wo Atelier und Wohnung in einem überging, hauste. Martins vertrat die Meinung, dass sich die Familie eines Künstlers selbst erhalten muss. Der Künstler hat sich am Abend kurz mit der Familie zu treffen und geht dann wieder. Besitz stört die Kunst, da Besitz verpflichtet. Bei seinen späteren Kunstkursen unterrichtete Ruhso Aktmalerei und Tierzeichnungen und dies vor Ort in Schönbrunn. Später verschlug es ihn in das Künstlerdorf Neumarkt an der Raab, wo er nach einiger Zeit nicht weit entfernt davon, ein altes Bauernhaus erwarb, das er großzügig in Wohnhaus und Atelier ausbaute und noch immer an Erweiterungsarbeiten beschäftigt ist. Zu den spektakulären Arbeiten des Künstlers gehören seine eigenwilligen Porträts und Menschenbilder, die die Personen in natürlicher Bewegung zeigen. Unter anderem porträtierte er Wiens Bürgermeister Helmut Zilk oder den eigenwilligen Stadtrat Viktor Matejka. Es ist das letzte Porträt, das von Matejka vor seinem Tod gemalt worden ist. "Zilk porträtierte ich im Rathaus. Es war eine einzige Katastrophe. Er hatte keine Ruhe und Zeit. Ganz arg war es, wenn der Altbürgermeister Gratz zu ihm kam" erzählt Ruhso von seinen Erlebnissen mit dem Wiener Bürgermeister. Peter Ruhso wollte ein besonderes Zilk-Bild malen und so schlug er vor, dass sich Zilk an den Bürgermeisterstuhl des legendären Bürgermeister Lueger mit der Hand aufstützen soll. Dieser Stuhl musste von einigen Leuten aus einem Glasverschlag geschraubt werden. "Endlich war der Glassturz weg, da legte Zilk seine Hand darauf und lief mit den Worten “ich habe keine Zeit” wieder weg. So musste ich die Szene aus dem Gedächtnis malen. Als das Bild fertig war, rief Zilk viele Leute aus dem Büro, um es zu beurteilen. Alle sagten schön, schön. Doch Zilk meinte, dass er von der falschen Seite porträtiert sei und so musste ich das Bild noch ein Mal malen" erinnert sich Ruhso, der verärgert das Bild neu malte und Zilk mit roten Augen darstellte. Als der Empfangschef von Zilk das Bild sah meinte er, das geht so nicht. So malte Ruhso die Augen wieder anders. "Zilk war sehr kompliziert. Wenn Gratz dabei war hatte er sofort keine Zeit mehr. Zwei Mal wurde ich aus dem Büro überhaupt hinaus geschmissen", so Ruhso rückblickend. In seinem Atelier in Eisenberg arbeitet Ruhso in unterschiedlichen Techniken an seinen bewegten Motiven. Hier liegt auch eine mehr als eintausend Blätter umfassende Sammlung von gleichformatigen Zeichnungen.
Das Porträt, das Ruhso von Bürgermeister Helmut Zilk malte.
Im Bilderlager.
Peter Ruhso mit Zeichnungen im Atelier.
Prof. Johann Schleich im Interview mit Peter Ruhso.