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Die Eltern von Berti Handl waren die Besitzer des Grazer "Cafe zur alten Post" in der Klosterwiesgasse. 1922 kam Berti in Graz zur Welt, wo sie die Pflichtschulen und die Handelsschule besuchte. "Ich absolvierte in Graz die Ballettausbildung bei Ilse von Hye und Heinz von Paquee. Zu dieser Zeit hat man uns mit dem Stock über die Füße gehaut und auf Spitzen stehen lassen, bis wir am ganzen Körper gezittert haben. Meine Eltern waren aber der Meinung, dass ich auch einen gutbürgerlichen Beruf erlernen muss und so absolvierte ich auch die Handelsschule. Meinen ersten professionellen Ballettauftritt hatte ich im Grazer Schauspielhaus. Da ich mir nicht sicher war, ob ich Tänzerin oder Schauspielerin werden sollte, besuchte ich
Von der Spionagin zur Balletttänzerin
auch Schauspielunterricht bei Lore Weise. Dies half mir dann als Balletttänzerin, da mein Gesicht beim Tanz eine starke Ausdruckskraft hatte. Im Zweiten Weltkrieg kamen die Nazis und forderten von mir, dass ich zu tun hätte was sie mir anschaffen. Sie nahmen mich mit nach Marburg, wo ich für die Spionage angelernt wurde. Ich hatte schriftliche Unterlagen zu transportieren. Mit einem Chauffeur fuhr ich zu meinen Auftragsarbeiten. So auch nach Zagreb, wo ich mit einem Minister sprach und mir Papiere übergeben wurden, die ich nach Marburg zu bringen hatte. Man hat mich für diese Spionagetätigkeit ausgewählt, da ich als junges Mädchen unauffällig war. Ich sollte als Mitglied des Sicherheitsdienstes überall zuhören, alles aufschreiben und mir von Situationen ein Bild machen. Auch wo sich Truppen bewegen sollte man beobachten. Die Jugoslawen waren auszuspionieren. Auch nach Ungarn musste ich
fahren, wo ich bei diversen Veranstaltungen anwesend war. Mein Chef war ein bildschöner Obersturmbandführer, der auch der Vater meiner Tochter Brigitte ist, die 1944 zur Welt kam. Als die Russen vordrangen war ich in
Graz. Meine Mama sagte, du musst weg von hier. Auf einem Lastkraftwagen, mit meiner Tochter im Arm, sind wir dann geflüchtet. So kam ich in das Stift St. Lamprecht, wo ich mehrere Wochen wohnte. Danach kamen die Engländer, die von meiner Spionagetätigkeit wussten und überlegten, ob ich eingesperrt werden sollte. Sie entschieden, dass ich mich an jedem zweiten Tag zu melden hatte. Tat ich das nicht, waren sie sofort bei mir. Mein erster Auftritt nach dem Krieg war im Schauspielhaus Graz und mein erstes festes Engagement war an der Grazer Oper. Hier lernte ich auch meinen späteren Mann kennen, der auch Tänzer war. In dieser Ehe wurde mein Sohn Claudius geboren. Als Tänzerin war ich Gruppentänzerin und auch Solotänzerin.
Die Tänzerin und Ballettlehrerin Berti Handl erzählt aus ihrem Leben.
Handl als Jungfrau von Orleans, die auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird.
In ihrem Wohnzimmer zeigt Berti Handl mit 90 Jahren Ballettfiguren.
Hochzeitsbild von Berti Handl.
Temperamentvolle ungarische Tanzshow mit Berti Handl.
Arbeitsbuch aus der NS-Zeit.
Dienstleistungszeugnis des NS-Sicherheitsdienstes, 1944.
Mitgliedsbuch für deutsche Bühnenangehörige, 1953.
Nach Graz ging es an das Landestheater in Linz, wo in vielen Operettenaufführungen getanzt wurde, was mir kindisch vorkam. Tolle Aufführungen waren Stücke wie Aida oder Carmen. Von Linz ging es nach Dortmund ins
Opernhaus und dann wieder zurück an das Grazer Opernhaus. Zu dieser Zeit waren wir bei vielen Gastspielen unterwegs. Wieder ging es nach Deutschland und weiter nach Holland, Belgien und in die Schweiz, wo ich in Carbaretts und in Varietes tanzte. Das brachte viel Geld. In Bern war ich an der Oper Solotänzerin. Nach vielen Jahren endete die Karriere als Tänzerin und mir wurde in Graz bewusst, dass ich etwas tun muss. Auf Anraten der Handelskammer übernahm ich den Gymnastikunterricht an den Landesberufsschulen in Feldbach und Bad Gleichenberg und an der Hotelfachschule Bad Gleichenberg. Nach einem Jahr Gymnastik hielt ich es nicht mehr aus und so gründete ich in Feldbach, Graz und anderen Orten um 1970 eine Ballettschule. Aus dieser Schule gingen einige Tänzerinnen hervor, wie Doris Trummer, Manuela Taschner oder Doris Reisinger, die das Tanzen zu ihrem Beruf machten. Auch die spätere Bundesministerin Beatrix Karl  war als Mädchen Mitglied meiner Tanzschule. Wenn ich heute auf der Straße gehe und die Mädchen anschaue, wie sie gehen, da würde ich diese gerne anreden und sagen, wie schrecklich dies aussieht" erzählte Berti Handl bei ihrem 90. Geburtstag. Bis zu ihrem 89. Lebensjahr lehrte sie Kinder- und Damengymnastik, vor allem nach ihren Worten, weiche Gymnastik an Frauen angepasst.