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Erntedank mit Glocke und Krone Margarethe Nimrichter, Hof, und Maria Rücker, Lormanberg
Alle zwölf Jahre wird von Frauen der Ortschaft Hof der Kirchenschmuck für das Erntedankfest in Kirchberg kunstvoll angefertigt. Die besondere Attraktion bei diesem Erntedankschmuck aus Hof ist eine Erntedankglocke, die von Margarethe Nimrichter gestaltet wird und die Erntedankkrone, die Maria Rücker in Lormanberg seit mehr als 50 Jahren bindet. Es sind 12 Ortschaften der Pfarre Kirchberg, die von Jahr zu Jahr abwechselnd für den
Erntedankkirchenschmuck sorgen. "Für mich war es bereits vor 24 Jahren wichtig, eine Glocke als Erntedanksymbol zu entwerfen. Das Erlernen des Gedichtes die Glocke von Schiller hat mich in der Schule geprägt. Eine Glocke ist für mich das Symbol für erwachen, nachschauen, nachdenken und Aufruf zum Gebet" sagte Margarethe Nimrichter, die für das Schmücken ihrer Erntedankglocke 60 Stunden benötigte. "Da ist aber keine Vorbereitungszeit dabei, da ich alle Getreide-, Blumen- und Obstsorten selbst züchte. Die Vorbereitungen beginnen bereits im Vorjahr"
erzählt sie mit Begeisterung. In diesem Jahr entschied sich Margarethe Nimrichter für eine bunt geschmückte Glocke, für die sie Gerste, Korn, Weizen, Hafer, Dinkel, Sirich, Pfennich, Mais, Gräser, Staticen, Strohblumen, Lavendel, Zierkürbisse und verschiedene Blumen verwendete. Die beiden Vorgängerglocken waren in der Farbgebung schlicht auf brauntönen mit überwiegend Getreidearten und Lein gestaltet. "Ich ließ ein Glockengestell aus Metall anfertigen, auf das das Getreide und die Blumen in Büscherln angenäht
werden. Dieser aufwendige Arbeitsvorgang ist notwendig, da sonst der Schmuck von der Glocke absteht und diese buschig aussehen würde" sagt Nimrichter, die bei ihrer Arbeit von Barbara Lafer, Resi Reicht und Ingrid Scheucher unterstützt wurde. Das zweite Volkskunstwerk ist die schon traditionelle Erntedankkrone, die bereits zum einundfünfzigsten Mal von Maria Rücker aus Lormanberg angefertigt wurde. An die sechs Kronenbügel werden verschiedene Getreidearten in kleinen Büscherln angebunden, was die Arbeit von Maria Rücker ist. Die Helferinnen Elfriede Plaschg, die seit mehr als 45 Jahre mithilft, Cäcilia Lammer, Susanne und Renate Frühwirth und Maria Rücker jun. haben die
Maria Rücker (2.v.links) mit ihrem Erntedankkroneteam.
Margarethe Nimrichter arbeitete sechzig Stunden an dieser Erntedankglocke.
Die Mutter von Maria Rücker hat bereits die Aufzugskränze für die Kirche geflochten.
Aufgabe, die einzelnen Büscherln zusammen zu stellen und diese der Kronengestalterin zu reichen. Ist einer der Bügel mit einem dichten Getreidekranz umzogen, so wird jeder Bügel mit eigenen Früchten gestaltet, so dass die fertige Krone ein abwechslungsreiches buntes Gesamtbild ergibt. Dafür werden Sirich, Reiterbeeren, Pfennich, Mohn, Strohblumen, Hafer, Weizen, Roggen, Mais, Triticale, Schillingkraut, Bohnen, Kastanien, Zierkürbisse, Mispel, Buxbaum, Nüsse, Thujen, Paprika, Knoblauch, Pfefferoni, Karotten, Äpfel und Birnen verwendet. Für das Kreuz auf der Kronenspitze werden besonders ausdrucksstarke Pflanzen und Früchte, wie Hagebutten und das transparente glänzende Schillingskraut eingeflochten. Um alle diese unterschiedlichen Blumen, Getreide und Früchte vorrätig zu haben, nützt Maria Rücker einen kleinen Ackerstreifen, auf dem sie diese züchtet und je nach Sorte rechtzeitig erntet. Auch für die Nachfolge ihrer Kunst, eine Erntedankkrone kunstvoll gestalten zu können hat Maria Rücker gesorgt. Ihre Tochter arbeitet seit sie Kleinkind ist an der Kronengestaltung mit und beabsichtigt, diese alte Tradition weiter aufrecht zu halten. "Begonnen hat diese Leidenschaft schon mit meiner Großmutter Maria Kröll, die für die Kirche lange Aufzugskränze bei festlichen kirchlichen Anlässen, wie bei einer Primiz, geflochten hat. Diese Familientradition geht mindestens 80 Jahre oder weit länger zurück" erzählte Maria Rücker, die das Kunsthandwerk ihrer Altvorderen weiterhin pflegen will. Nachdem die Erntedankglocke nicht wie die Krone auf den Boden gestellt werden kann, musste auch ein eigener Haltegalgen angefertigt werden. In die Kirche wurden die Glocke und die Krone mit einem Traktor transportiert. Die Frauen aus Hof und Lormanberg haben für den Kirchenschmuck auch zahlreiche Erntedankgestecke und Kränze angefertigt, so dass die Kirche von Kirchberg in diesem Jahr zu einem Vorzeigeprojekt für kunsthandwerklich angefertigten Erntedankschmuck wurde. Die nächste Erntedankglocke wird es jedoch erst in zwölf Jahren wieder geben.
Neun Erntedankgestecke wurden von Margarethe Nimrichter angefertigt.