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Klaus Künzel mit dem TUS Feldbach (hintere Reihe 5.von links).
Die Feldbacher Kultband "Swing Rhythmiker" mit Walter Kohlmeier.
Nur die Deutschen Schlager waren beliebt, erinnert sich Walter Kohlmeier.            
Während die europäischen Großstädte im Jahr 1968 von Demonstrationen und Protesten der Jugend überrollt wurden, schien in der Steiermark die Zeit stillgestanden zu sein. In vielen der Jugendlichen, der so genannten 68er Generation, unserer Region kam es sehr wohl zu einem Umdenken, jedoch mit schwingenden Fahnen oder Molotowcocktails ging niemand auf die Straße. Hier wurden schon das Hören von Beat- und Rockmusik, Tänze der Zeit, oder das Tragen einer Jean und etwas längere Haare als Revolutionär angesehen. Der Feldbacher Altbürgermeister, Notar  Dr. Klaus Künzel erinnert sich: "Mir ging es als Student und in der Jugend gut, da zu dieser Zeit mein Vater als Notar in Gmünd arbeitete. Trotzdem war für mich als Student ein Auto nicht möglich. Ich war mit meinem Studium 1968 bereits fertig. In Wien kam es zu Demonstrationen, jedoch in Graz, Feldbach und Leibnitz habe ich davon als junger Jurist nichts bemerkt. In Leibnitz arbeitete ich als Jurist im Notariat Zimmermann, der in Feldbach auch eine Bäckerei besaß. Zu dieser Zeit kaufte ich mir auch das erste Auto, einen alten VW Käfer. In Feldbach bestanden zwei Fußballmannschaften, der TUS und der SV. Ich spielte beim TUS Feldbach, obwohl mein Vater ein starker Gegner vom Fußballsport war. Oft spielte ich, ohne dass er es wusste. Dressen, Fußballschuhe oder ein guter Lederball waren Mangelware. Es war eine schöne Zeit, in der in den Cafehäusern der Wurlitzer raunzte, und oft, wie beim Cafe Pfister Quando, Quando bis zu
Bei uns waren die wilden 68er ganz mild Klaus Künzel, Alois Kothgasser, Walter Kohlmeier, Georg Pferschy
fünf Mal hintereinander gespielt wurde. Ende 1969 übersiedelte ich in das Notariat meines Vaters nach Feldbach. Von den vielen Demonstrationen sah man nur im Fernsehen. Ich demonstrierte einmal, das war jedoch lange vor 1968 als Student, weil die Zuwendungen des Bundes an die Universitäten gekürzt wurden". Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser, der in St. Stefan im Rosental aufwuchs, war 1968 an der Salesianer Universität in Italien. "Das Prodeln in Europa hat man richtig gespürt und jüngere Professoren sind in diese Welle eingestiegen. Unter den Theologiestudenten waren ungeheure Spannungen und man ging mit Worten nicht glimpflich um. Die Umbruchstimmung war zu merken und das Unbehagen unter den jungen Menschen führte zu diesen Spannungen" erinnert sich der ehemalige Bauernsohn aus St. Stefan, der den Aufstieg bis zum Erzbischof schaffte. Als Trompeter und Moderator von "Hill Wagner and his Show Band" war der Fürstenfelder Georg Pferschy bei den meisten Unterhaltungsveranstaltungen der Oststeiermark und im Südburgenland dabei. "1968 ist mit heute schwer vergleichbar, da war alles anders. Bei den Tanzunterhaltungen kamen die Gäste, alle schön gekleidet, vor Veranstaltungsbeginn und nicht erst spät in der Nacht, wie das heute üblich ist. Die Mädchen kamen nicht allein. Meist waren Mädchen im Kreise der Familie oder mit Freunden anwesend. Der Alkoholkonsum war gering, da das Geld dafür fehlte. Unsere Band nannte sich nach Helmut und Fredi Wagner. Die Musiker wechselten. Ludwig Hafner verunglückte 1968 und so kam Leo Josefus, der spätere Bürgermeister von Leitersdorf und nach dem Abgang von Boris (Fritz) Bukowski kam der Feldbacher Hermann Koller. Schlussendlich ist dann auch Walter Strobl in die Band eingetreten" plaudert der Vollblutmusiker, der von der Bühne aus einen guten Überblick bei Veranstaltungen hatte. Weiters meint er, dass ein Kuss schon etwas Besonderes war. "1968 war auch das Jahr, in dem die Jazzmessen, oder Rhythmusmessen wie sie genannt wurden, aufkamen. Wir haben die erste Jazzmesse in Fürstenfeld gespielt. Von Demostrationen, wie sie in größeren Städten Europas stattfanden, hat man in Fürstenfeld nichts gesehen" erinnert sich Pferschy. Auch der Feldbacher Walter Kohlmeier, der mit der Band "Swing Rhythmiker" in vielen Orten der Steiermark bei Tanzunterhaltungen spielte, hat von Demonstrationen in der Steiermark nichts bemerkt. "Es war die Zeit, in der die Leute etwas besser zu verdienen begannen und schon ein wenig Geld hatten. Die Sommerfeste, Waldfeste und Badfeste waren bestens besucht und an jedem Samstag Abend spielten wir Tanzmusik. Das Tanzlokal Kriesch in Bad Gleichenberg war immer bis auf den letzten Platz voll. In Poppendorf wurde ein kleines Woodstock veranstaltet, da kam ich erst sehr spät hin und sah viele Betrunkene", so Kohlmeier, der auch meint, dass die Schlagerszene einen ganz großen Stellenwert hatte. " Zu dieser Zeit schufen wir uns die erste Verstärkeranlage an. Vor allem war der deutsche Schlager sehr beliebt. Die Jugend sagte zu uns Musikern, wir sollten mit unseren Musiknummern härter werden und die Älteren meinten, hört’s mit der Negermusik, mit diesem TschinnBumm endlich auf. Englisch gesungene Nummern wurden lange Zeit vom tanzenden Publikum nicht akzeptiert. Die wollten weiterhin Catharina Valente, Bill Ramsay, Trude Herr, Ted Herold und Peter Alexander hören und dass wir von den rauschenden Birken und vom Sommertraum singen. Elvis, Beatles oder Johnny Holiday kamen erst langsam später."
Notar Klaus Künzel stöbert in alten Fußballerinnerungen.
Georg Pferschy war Mitglied der oststeirischen Kultband "Hill Wagner".